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Die Sonne Frankenberg: Die kleine Hotel-Oase – fast am Ende der Welt

Wenn ich erkläre, wo ich herkomme, gibt es meist große Fragezeichen auf den Gesichtern. Ok, ein Städtchen namens Frankenberg mit um die 24 000 Einwohner muss man nicht unbedingt auf der Agenda haben. Allerdings kommen die berühmten Thonet-Möbel aus meiner Heimatstadt, während der größte Arbeitgeber der Region, der Heizkessel-Produzent Viessmann im nahen Allendorf residiert. Der Unternehmer Viessmann war es denn auch, der vor einigen Jahren das Hotel Die Sonne unter seine Fittiche nahm, komplett renovierte, um Tagungsmöglichkeiten erweiterte und außerdem ein sensationelles Spa einrichtete. Man staunte nicht schlecht in Frankenberg und Nachbarschaft über soviel Investment-Freude und Kühnheit.
Nachdem meine Mutter vor einigen Monaten ihr Haus verkauft hat, gibt es beim Heimatbesuch kein Kinderzimmer mehr, wo ich übernachten kann. Also schlief ich mich durch das Frankenberger Bettenangebot – was ohnehin sehr begrenzt ist – und landete schließlich auch im Viessmann-Hotel, das sogar zur renommierten Kategorie „Leading Small Luxury Hotels of the World“. Es liegt sehr pittoresk direkt am berühmten zehntürmigen Rathaus inmitten von alten Fachwerkhäusern, die durchaus zahlreiche Touristen anziehen, zumal die Umgebung viele Freizeitmöglichkeiten bietet. Man würde wohl den Stil als zünftig-modern bezeichnen, was aber zur Gegend und sicher auch zum überwiegenden Teil der Klientel passt. Und überhaupt soll es ja in diesem Blog vor allem um die Service-Orientierung gehen und da hängt Die Sonne locker alle Hotels ab, in denen ich bisher abgestiegen bin – das waren nicht wenige. Selbst das SAS Radisson Blue am Hafen in Düsseldorf, das bislang sowohl unter Designgesichtspunkten als auch unter Kundenorientierungsaspekten mein absoluter Favorit war, wird nach den Besuchen in der Sonne auf Platz 2 verwiesen.

Das Personal – und letztlich sind es ja die Menschen, die gerade eine Hotelatmosphäre prägen -, zeigen eine gekonnte Mischung aus Höflichkeit, Kundenorientierung und Anteilnahme. Der Umgang ist herzlich-reserviert, man drängt sich nicht auf, pflegt aber auch nicht die in anderen Hotels dieser Kategorie übliche Arroganz. Ich mag es, wenn man unaufgeregt aufmerksam ist, mich aber am Ende in Ruhe lässt. Die Sonne praktiziert diese Form des Umgangs mit dem Gast par excellence. Wer mehr Aufmerksamkeit will, bekommt sie, wer nicht eben nicht. Bereits beim zweiten Besuch und dazwischen lagen immerhin 6 Wochen kannte jeder meinen Namen. Ich wurde im Frühstücksraum persönlich begrüßt, man wusste noch, dass ohne doppelten Espresso morgens bei mir nix geht und ich Rühreier natur mag. Eine Dame am Empfang erkundigte sich sogar sehr nett nach meiner Mutter, die bei einem Besuch einen Schwächeanfall erlitten hat (Gott sei Dank ist meine alte Dame jetzt dank Herzschrittmacher wieder topfit).
Diese Form von Aufmerksamkeit kann man nach meinen Erfahrungen nicht wirklich trainieren, das muss man als Anlage schon in sich tragen. Vielleicht spielt die Tatsache eine Rolle, dass Frankenberg eben eine Kleinstadt ist, wo der Umgang generell menschlicher und

aufmerksamer ist als in Metropolen. Am Ende spielt das keine Rolle, als Hotelgast ist mein Bewertungsmaßstab überall gleich, solange ich mich in der gleichen Hotelkategorie bewege.
Ich staunte daher auch nicht schlecht, als ich das erste Mal das Spa betrat. So etwas habe ich vorher noch nicht gesehen. Selbst der Spabereich im Berliner Grand Hyatt, der häufig als Nonplusultra zitiert wird, kann nicht mit dem in der Sonne mithalten. Sauna, Dampfbad, Solebecken, ein großzügiger Ruheraum mit himmlischen Wasserbetten und ein Extra-Raum für Hamam-Anwendungen,für die der Seifenschaum nach alter Rezeptur selbst angefertigt wird. Die Anwendung war professionell und gut. Abgerundet wird das

Angebot durch vielfältige Kosmetikbehandlungen, physiotherapeutische Maßnahmen, Spezialanwendungen aus der Homöopathie und Stressmanagement. Damit zielt man auch auf Tagungsgäste, die zur Erholung noch das Wochenende anhängen, um die Ruhe in dem hübschen Fleckchen in Nordhessen zu genießen.
Ich habe jedenfalls einem meiner Kunden Die Sonne gerade als Tagungshotel für ein großes Offside-Meeting empfohlen. Und das tue ich nur, wenn ich 100 Prozent sicher bin, dass alles so läuft, wie ich es erzählt habe.