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Wie man vom 25hours Hotel im Roomer landet und auch noch happy ist

Ich habe in den letzten Wochen Gelegenheit gehabt eine Reihe von relativ neuen Business-Hotels zu testen z.B. das Louis in München (davon aber in einem späteren Beitrag).
Heute will ich erst mal das hohe Service-Loblied auf das 25hours Hotel in Frankfurt singen. Auch wenn ich dort gar nicht übernachtet habe. Das kam so: Zur ISH hatte ich Glück, gerade noch so ein Zimmer im 25hours an der Hanauer Landstrasse im Frankfurt-Ostend zu ergattern; zum stolzen Preis von 245 Euro, der aber angesichts der anderen Hotelraten gerade zu schwindelig günstig war. Vom Flughafen fuhr ich direkt zum Hotel, um mein Gepäck zu deponieren. Erster Eindruck, gutes Styling, da modern, aber nicht so elendlich bemüht wie das sonst oft in Designhotels der Fall ist. Allerdings empfing mich

ein zerknirschter Mitarbeiter am Empfang, der mir eröffnete, dass aufgrund eines Buchungsfehlers leider mein Zimmer zweimal vergeben wurde. Ich guckte ziemlich dämlich, aber vor allem deshalb, weil er mir einen Atemzug später eröffnete, sie hätten mir als Entschuldigung zwei Alternativen in anderen Hotels reserviert, die sie auch empfehlen würden und ich könnte mir aussuchen, in welches ich gehen wolle, sie würden auch die Preisdifferenz übernehmen. Ich entschied mich für das Roomers im Bahnhofsviertel, von dem ich schon viel gehört hatte, es lag nah an der Messe und Nik Schweiger hatte mit seiner Firma Biorhythm das Design des Wellness-Bereichs realisiert.
Ich sagte also dem Kollegen vom 25hours, der auch das Taxi zum Roomers bezahlte, goodbye. Habe aber ganz fest vor, das nächste Mal, dort dann schon wegen diesem unerwarteten Super-Service wirklich zu übernachten.
Der erste Eindruck zum Roomers in der Gutleutstraße, gruselige Ecke von Frankfurt und die Innenräume sind düster, sehr düster, ein Gothic-Feeling. Ich wusste bis zur Abreise nicht, ob ich den Style gut oder einfach nur grauenhaft finde, vermutlich eine Mischung aus beidem. Die Inneneinrichtung war einfach an

vielen Stellen zu bemüht. Das Personal an der Rezeption – naja, ich erwarte mehr Höflichkeit und Aufmerksamkeit, aber vielleicht lag es ja daran, dass ich nur ein transferierter Gast eines anderen Hotels war. Wobei sie sich hätten dann erst Recht anstrengen sollen, um mich vielleicht als regelmäßige Kundin zu gewinnen.
Das Zimmer – ebenfalls düster – es dauerte ewig, bis ich herausgefunden hatte, wie man das Licht heller stellt. Wenn ich eins hasse, dann ist es Hoteltechnik, die nicht selbsterklärend ist und davon gibt es im Roomers leider haufenweise. Ich persönlich finde es eine modische Unart, dass neuerdings in jedem Hotelzimmer Musik läuft, wenn man als Gast das Zimmer betritt. Ich komme normalerweise aus Hektik und Terminen und möchte einfach Stille. Im Roomers lief die Musik fast auf Disco-Lautstärke und ich hatte schon ziemlich schlechte Laune, weil es eine gefühlte Ewigkeit dauerte bis ich endlich rausfand, wie die Mukke wieder auszuschalten war. Dafür lief dann der Fernseher ewig nicht.
Ich habe darüber hinaus auch so meine Probleme mit offenen oder halboffenen Bädern, auch wenn ich allein im Zimmer bin. Warum muss man aus der Toilette rausgucken können und von außen reingucken können? Lassen sich die Innenarchitekten, die sowas planen gerne selbst beim Toilettengang beobachten? Ich würde das nur nicht für massenkompatibel halten. Klarer Minuspunkt.
Weil das Zimmer und Bad zunächst so dunkel waren, sah ich nicht, dass die Abstellfläche am Waschbecken nicht bis zur Wand reichte. Prompt fiel mir ein Cremedeckel runter, an den ich nicht mehr rankam, weil von vorne alles zugebaut war. Toll, meine Creme konnte ich gleich entsorgen. Mag ja sein, dass ich aufgrund meiner Kurzsichtigkeit auch etwas tolpatschig bin, dennoch: Auch an dieser Stelle wurde einfach nicht mitgedacht.
Dafür fand ich das Essen im Hotel überraschend gut. Man kann auch in der Bar, die eigentlich schön-schummrig und cosy war – abgesehen von den scheußlichen, billig wirkenden Lampen – einiges aus der Menuekarte des Restaurants essen, alles war extrem gut. Mein beliebtester Test in Restaurants und Hotels ist es, heißes Ingwerwasser zu bestellen – mein absolutes Leibgetränk. Je nachdem, wie flexibel man auf meinen Wunsch reagiert, hat man entweder für immer bei mir verloren oder wächst mir echt ans Herz. In einem Hotel ist sogar mal jemand losgelaufen, um frische Ingwerknollen zu besorgen – ich liebe den Laden noch heute dafür. In der Bar vom Roomers guckte der extrem pseudo-coole Barkeeper zunächst komisch an, um sich dann aber doch einen Ruck zu geben und mir das Getränk zu machen. Als ich den Lobster bestellte, war seine Welt wieder in Ordnung.
Der Spabereich, den ich nur angeguckt, aber nicht genutzt habe, ist übrigens wirklich sehr toll und nachhaltig wie er immer beschrieben wurde. Vor allem die Sauna von Klafs hätte ich am liebsten selbst für zu Hause, wenn ich denn Platz hätte.
Fazit: Zwar hat das Roomers bislang mehrere Hotel-Awards bekommen, aber nur für das Design, für den Service würde dort niemand einen Preis bekommen. Und das halte ich schlicht und ergreifend für unzeitgemäß. Ein cleveres Hotelkonzept wäre, einen Service mitzudesignen, der unverwechselbar zu einem uniquen Markenerlebnis beiträgt. Motel One hat dies zum Beispiel in einigen Bereichen durch einen sehr effizient gedachten Ablauf beim Einchecken geschafft.
Das 25hours im Übrigen auch. Obwohl ich nur 10 Minuten in der Hotellobby stand, hat dieses Boutiquenhotel dreimal mehr Eindruck bei mir hinterlassen als das Roomer.
In diesem Zusammenhang möchte ich nochmal auf das interessante Interview mit Angela Knewitz von MetaDesign auf dieser Seite verweisen, die Stellung nimmt, warum Service-Design in diesen Zeiten ein wettbewerbsrelevantes Businessfeld ist.